Tekkno ist cool – Eine Best-of Eurodance

by mykx

Eine Top-25 Eurodance also. Und während man sich selbst schon unbedarft ”Challenge accepted!” rufen hört, beginnen im selben Moment schon erste Zweifel zu nagen.

Da wäre zunächst mal die Frage der Definition von ”Eurodance”. Geht man da nach dem klassischen Kakerlaken-Test? Wenn man das Licht anmacht und ein Rapper und zwei Sängerinnendarstellerinnen laufen weg, dann ist es Eurodance?

Oder macht man Tür und Tor für eine weiter gefasste Definition auf, wo man es dann auf einmal mit so Acts wie FELIX oder U.S.U.R.A. zu tun hat..!? Es ist halt einfacher von einem Künstler die gesamte Diskografie durchzuhören, als ein komplettes Genre, so luftig es auch gefasst ist.

Ich habe mich für diese Liste weitestgehend an die klassische Definition von Eurodance (Kakerlaken) gehalten – mit Ausnahmen – und den Zeitraum auf die 90er eingeschränkt. SYLVER sind damit auch raus. Ausserdem gilt: jeder Act nur ein mal.

Ausserdem folgende Regeländerung: Heute gibt es eine Top-30. Weil man von Eurodance einfach nie genug haben kann.

Und damit: ARE YOU READY FOR THE SOUND OF CHEAP SYNTH-LINES AND SHITTY LYRICS?

LET’S EURODANCE LIKE IT’S 1999!!!


30. Antares – Ride On A Meteorite (1994)





Starten wir mal mit einem eher unbekannten Projekt aus Italien. Und seit Italo Disco wissen wir ja, dass die Italiener Spezialisten für billigst produzierten Tanzflächenfüllstoff sind.

Man muss auch sagen, dass viele der unbekannteren Eurodance Tracks völlig zurecht unbekannt sind.

Hinter diesem Projekt, von dem ich ehrlicherweise noch nicht allzuviel gehört habe, steckt unter anderem Giacomo Maiolini, der auch bei RADIORAMA und MIKO MISSION die ein oder andere Hand im Spiel hatte. Muss also gut sein…

Advent, Advent, der Dancefloor brennt…


29. Aqua – Doctor Jones (1997)





Nächster Halt Dänemark. Hätte man mich einfach so an der Bushaltestelle gefragt, hätte ich auf Schweden getippt, aber gut…

Es ist nicht BARBIE GIRL geworden, weil das einfach zu nervig ist. Und bei AQUA muss ich ja zugeben, dass ich eigentlich nur die Stimme des ”Sängers” mag, der hat hier einen netten Part. Also so drei Sekunden…

Das AQUA wegen BARBIE GIRL von Mattel verklagt wurden (oder vielmehr ihre Plattenfirma) muss vermutlich nicht erwähnt werden, ich tue es aber hiermit trotzdem…


28. Mo-Do – Eins Zwei Polizei (1994)





Jo. Das ist jetzt natürlich Prollo-500, aber ich mag’s. ”Ein Autoscooter, gefangen im Körper eines Hochzeits-DJs”, wenn sie verstehen, was ich meine.

Der gute Mo-Do, aka Fabio Frittelli, weilt ja seit 2013 nicht mehr unter uns. So konnte er sich immerhin die Version seines Hits durch die Erfolgsformation EISBRECHER ersparen, die alles irgendwie noch schlimmer gemacht haben.





Quasi RAMMSTEIN auf der Raupenachterbahn, wenn die den Rückwärtsgang einlegt…


27. La Bouche – Sweet Dreams (1995)





Ich bin mal ganz ehrlich, zu diesem Stück fällt mir gar nicht besonders viel ein, ausser dass ich es ganz nett finde. Der große Hit war BE MY LOVER, aber das hier ist besser. Auch weil der Rapper hier aus irgendwelchen Gründen nicht rappt…

Oh. Jetzt hat er doch gerappt. Sieht man mal, wie gut ich aufpasse… ?


26. Ace of Base – My Mind (Mindless Mix) (1992)





Now for my cooler-than-thou moment. Das ist die B-Seite der zweiten ACE OF BASE Single ”Wheel of Fortune”. Die hatte ich mir seinerzeit zusammen mit ”Don’t You Want Me” von FELIX gekauft, weil irgendwie waren das andere Zeiten und man durfte sowas noch.

Komplett untypisch für das, was später aus ACE OF BASE werden sollte und vielleicht deshalb so gut…

Gut, so ein bisschen deutet sich das Reggea-Geklimper schon an. Dance, or fade out…


25. Blümchen – Herz an Herz (1995)





Hände hoch, wer früher auf BLÜMCHEN stand!

Ich muss tatsächlich zugeben, dass ich dem Gesamtwerk von Jasmin Wagner und ihren diversen Produzenten eher leidenschaftslos gegenüber stehe. Gibt’s bestimmt gute Remixe.

So wie mein Kollege im Comicladen, der immer behauptete, dass es RICHTIG GUTE Drum’n’Bass Remixe von TIC TAC TOE gäbe. Die habe ich allerdings bis heute nicht gefunden.

Dieser Track funktioniert für mich vor allem, weil er auf dem Original von PASO DOBLE basiert – die auch den Klassiker COMPUTERLIEBE zu verantworten haben – und ihm mit einem Feuerwehrschlauch Adrenalin in die Nebenhöhlen injiziert…

Ha. Habe erst ”bassiert” geschrieben. Passt auch.


24. E-Rotic – Help Me Doctor Dick (1996)





Aus einem gescheiterten Experiment mit dem Kot von Fips Asmussen wurde ein Produzententeam geklont, dass sich fortan E-ROTIC nannte. Die einzige Lebensberechtigung dieser Tanzkapelle bestand offenbar in der Vertonung der feinsten Herrenwitze.

Hier mal mit schnieke Reggae-Vibes zum Nachdenken über Brüste. Kicher.

Ha. Das E-ROTIC Video ist age restricted. Weil Booobies…

Daher hier eine PG-13 Version.

Der absolute Tiefpunkt wurde Jahre später mit einer deutschen Version von ”Max, Don’t Have Sex” namens ”Fritz komm und spritz” erreicht. Für den Text kommt hoffentlich irgendjemand in die Hölle…

Von der unfassbar schlechten Produktion mal abgesehen.






23. Intermission – Piece of My Heart (1993)





Zitatschleuder an: Hier wird einfach mal der gute Part von Real Lifes ”Send Me an Angel” verwurstet. Irgendwann schaut dann noch der ”Hypnotic Tango” vorbei und fertig ist der Hit.

Dazwischen wird dann noch schlecht Captain Hollywood imitiert…


22. B.G. the Prince of Rap – The Colour of My Dreams (1994)





Man muss schon echt dicke Eier haben, sich ”Prince of Rap” zu nennen und dann so Lines abzuliefern. An der West Coast wäre er dafür vermutlich einfach so zum Spass erschossen worden.

Und an der East Coast auch. Und eigentlich überall.

Aber ich mag den Synth-Part sehr.

Fun Fact: B.G. the Prince of Rap macht immer noch neue Platten, rappt aber irgendwie nicht mehr. Vielleicht hat es ihm einer gesagt…





Kam auch zur selben Zeit wie COCO JAMBO raus, daher: Zufall???


21. Cosmix feat. Krümelmonster – Kekse (Lecker Happa-Happa) (1995)





Und nun treten wir den Beweis an, dass ich weder Verstand, Geschmack, noch Selbstachtung habe.

Exhibit A: Dieses Video.

Möge es stellvertetend für all die Muppets, Augsburger Puppen und Milka-Werbeopis stehen, die zu dieser Zeit den Dancefloor bevölkern durften…

LECKER HAPPA HAPPA HAPPA


20. Dr. Alban – Sing Hallelujah (1993)





JA, DR. ALBAN KOMMT JETZT SCHON!

Habe lange zwischen dem hier und ”It’s My Life” hin und her überlegt. Aber der Piano-Break gewinnt.
Die Inspiration für den Refrain findet man übrigens hier, wenn man mal bis 3:46 vorspult…






19. T»MA – Mutter, der Mann mit dem Koks ist da (1995)





Ach, Falco…

Ich sag’s mal so, Miles Davis oder Aphex Twin ist das hier nicht. Höchstens in einer Paralleldimension, wo die beiden im Körper des Original Naabtal Duos wiedergeboren wurden und ein Video mit den Midwich Cuckoos gedreht haben.


18. E-Type – This is the Way (1994)





Keine Ahnung, wie bekannt das hier ist. Ich selbst habe es erst lange nach den 90ern entdeckt. Der Typ war mal Drummer in ner Speed Metal Band. Ob das jetzt für oder gegen Speed Metal spricht, lassen wir an dieser Stelle offen…


17. 2 Unlimited – No Limit (1992)





Ich weiss noch, wie schlimm das für mich als True-Techno Hörer war, als mir 2 Unlimited in einem ihrer Tracks die Worte ”Techno! Techno! Techno!” aus dem TV-Gerät entgegenschleuderten. Ähnlich traumatisch, wie die DJ-Aufzählung in HYPER HYPER…


16. Rednex – Old Pop in an Oak (1994)





Shout out an @RednexMusic. Viel geilerer Track als Cotton Eye Joe. Wundervoll auch das LP-Cover, auf dem die Gesichter der Bandmitglieder in einem Napf schwimmen, in den gerade jemand reinstrullert.

2007 stand die Band übrigens für schlanke $1,500,000 auf Ebay zum Verkauf. Hätten wir mal zusammengelegt.

Bei den REDNEX kann man ja eine Idee davon bekommen, wie Eurodance funktioniert hätte, wenn es nach dem Vorbild der World Wrestling Federation geplant worden wäre.

Da gab es nur grosse, dicke Kerle, die drei Wrestling Moves konnten. Aber einer war halt Cop, einer Schweinezüchter, einer ein Huhn, ein Clown, ein Voodoopriester.

Hier ist das 08/15 Eurodance Projekt, aber sie sind Hillbillies. Die hier sind Hubschrauberpiloten, die hier Rouladenwickler und dieses geile Projekt besteht aus Erdkundelehrern…


15. Real McCoy – Automatic Lover (1993)





Von Real McCoy wähle ich diesen Track, weil er wie ne nette Electro-Nummer anfängt, dann aber leider keine ist.

Aus irgendwelchen Gründe war das Projekt auch very erfolgreich in the USA. Ihr ”Hit” ANOTHER NIGHT schaffte es dort bis auf Platz drei der Billboard Charts. Kann mir auch keiner erklären…


14. Maxx – Get a Way (1993)





Diese Art Bassline mag ich sehr. So was in der Art begegnet uns auch auf Platz 11 nochmal.


13. DJ BoBo – Let the Dream Come True (1994)





Two words: DJ und Bobo.

Und Herr Baumann schrieb selbst. Joar…


12. The Free – Lover on the Line (1994)





Das hier dürfte nochmal etwas unbekannter sein. Dahinter stecken die Produzenten, die auch DAS MODUL verbrochen haben. Das Modul war ja quasi Blümchen in der Marianne & Michael Variante. Haben auch nen Song von Paso Doble gecovert (Computerliebe).

Einen Platz in meinem Herzen dürfen sie aber für ihren Albumtitel ”Urlaub Auf Der M.S. Dos” beanspruchen…


11. Masterboy – Feel the Heat of the Night (1994)





Das Teil höre ich mit ”Get A Way” von MAXX auf Dauerschleife. Was ein treibender Beat im Refrain…


10. Haddaway – What Is Love (1992)





Das dürfte aber nun wirklich jeder kennen. Die Scheibe stand seinerzeit bei meinem Stammladen Important Records in Essen zwischen Harthouse, Bonzai und englischen Breakbeat-Importen.

Da habe ich es dann auch gekauft, zusammen mit ein paar Acid-Scheiben, und habe es den Rest des Tages auf Repeat gehört…

Wer es ein wenig eklektischer schätzt, kann es auch gerne in diesem EMINEM Track verwurstet anhören.






9. Capella – U Got 2 Let the Music (1993)





Capella waren mir tatsächlich bereits aus den 80ern mit so Pump Up the Volume Ripp-off Tracks wie ”Bauhaus” und ”Helyom Halib” bekannt, bevor sie dann plötzlich aus vollem Lauf auf den Eurodance Zug gesprungen sind.





Das hier ist natürlich vor allem gut, weil es die Melodei von Alphavilles ”Sounds Like a Melody” klaut.


8. U96 – Love Sees No Color (1993)

Von dem Teil gibt es zwei Versionen, die jeweils andere Vorzüge haben.

In Variante 1 hat Herr Christensen ”Living on Video” unter sein Disco-Hack gemengt…





In der, besseren, Variante 2 dann zur Freude aller Beteiligten ”Sleeper in Metropolis” von Anne Clark.






7. Gigi D’Agostino – L’Amour Toujours (1999)





So gerade noch an der Grenze zu den 90ern, ist der Gigi ja selbst unter den Guilty Pleasures noch ein besonders guiltyes Pleasure. Ich mag hier vor allem den zweiten Teil sehr gerne, wenn die männliche Stimme den Gesang übernimmt.

Das schon sehr Autoscooter jetzt…

Die Originalversion hört sich übrigens so an. Ist ein wenig mehr Synth und der Mann singt zwei Strophen.





Und dann gibt es noch die ”langsame” Version, die ich am liebsten mag.






6. Captain Hollywood Project – More and More (1992)





Diese Synths am Anfang. ?

Mitgeschrieben hat daran Nosie Katzmann, der auch die Lyrics für Mr. Vain geschrieben hat…


5. Mark ‘Oh – Randy (Never Stop That Feeling) (Westbam Remix) (1993)





So, jetzt wird es etwas vertrackt. Bestimmt wird hier wieder irgendwer seine haarigen Spinnenbeine in den Thread hängen und murmeln, ”das ist aber kein Eurodance”. Joar, wie gesagt: mein Spiel, meine Regeln.

Aber irgendwie gehört Mark ‘Oh beim Thema Eurodance auch dazu. Das hier ist aber der Westbam Remix seiner allerersten 12″, die noch im Selbstverlag bei A.S.K. Records rauskam. Das war tatsächlich auch in der Techno-Szene ein kleiner Hit.

Das Original setzt auf einen Beat von den Stone Roses und den typischen Rave-Sounds der Zeit, in diesem Fall von ”Mentasm” von Second Phase gemopst.

Das schraggelt so ein paar Minuten vor sich hin, bis dann dieses geile Vocal-Sample kommt.

Der Herr Westbam, oder seine Produzenten, haben sich dann gedacht: den ganzen langweiligen Kram lassen wir weg und machen aus dem guten Teil einfach einen neue Song, haben das remixed und auf Low Spirit neu rausgebracht…

So klingt derweil das Original:






4. Culture Beat – Mr. Vain (Original Radio Edit)





TORSTEN FENSLAU \o/

Ich wählte hier das ”Original Radio Edit”, weil es der einzige Mix ist, der nicht direkt mit dem Synth-Riff einsetzt. Hier wird erst mal 1 1/2 Minuten auf der Gitarre rumgezupft, aber wenn die Synths dann kommen, DANN FLIEGT DAS DACH VON DER HALLE!!!

Der Track ist auch in einem Kid Cudi Remix verarbeitet:






So. Top-3. UND JETZT RÜCKWÄÄÄÄRTS!!!

3. Charly Lownoise & Mental Theo – Wonderful Days (1994)





Die Herren Karl Tiefenlärm und der mentale Theo sind ja in den Anfänge ihrer Karriere eher durch so Gassenhauer (im wahrsten Sinne des Wortes) wie ”Tiroler Kaboemsch” bekannt geworden.





Die Nummer hier lebt aber auch im Grossen und Ganzen von der Melodie des Originaltitels von Tony Ronald…






2. Snap! – Rhythm is a Dancer (1992)





Vermutlich das Meisterstück von Anzilotti & Münzing. Neben ”Electrica Salsa” und ”Bad News” von OFF und allem von 16BIT.

Wie sagte mal ein kluger Mensch: ”Rhythm is a Dancer ist natürlich objektiv gesehen der mit Abstand beste Eurodance-Song.”

Dem ist kaum etwas hinzuzufügen.

Die Melodie basiert natürlich auf dem Track ”Auto-Man” der 80er Electro-Kombo NEWCLEUS.





Und wer von dem Track einfach nicht genug bekommen kann, hier noch die Version von MUX MOOL. Nicht zu verwechseln mit Max Mutzke. DAS wäre wirklich schlimm…






So. Einer noch. Snap!, Alban, Haddaway und Culture Beat sind durch…

Captain Jack, Scatman John oder Coco Jambo werden es auch nicht…

Für mich der beste Track aus dieser Musikepoche:

1. Dune – Million Miles from Home (1996)





Die Strings, die leicht anvocodierte Stimme, die hektischen Beats, der Refrain. Einfach ein perfekter Song.

Auch geil in der Version von PENDULUM





UND ES GIBT AUCH EINE VERSION VON DEN SCHLÜMPFEN!!!






Und damit sind wir durch. Das war am Ende anstrengender als gedacht. Wobei ich betonen möchte, dass ich alles, was hier heute gespielt wurde, komplett unironisch gerne höre.

Zum Abschluss als besonderen Service für den @tobeilinho noch einen Track von GENERAL BASE. Ist zwar kein Eurodance, aber ein Fucking Classic!